DRK-Therapiehunde Saar-Pfalz

 

 

Unsere Philosophie

Text von Andrea Rohe, Gründerin der DRK Therapiehundearbeit im Saarland
(gest. 2015).


Urmutter aller tiergestützter Interventionen ist die 1977 in Oregon USA gegründete Delta Society.
Diese unterscheidet zwischen tiergestützter Aktivität und tiergestützter Therapie an Hand der Qualifikation des Menschen im Team. Demnach könnte beispielsweise nur ein ausgebildeter Therapeut mit seinem Hund tiergestützte Therapie anbieten. Dazu müsste er den Zustand des Patienten bei Behandlungsbeginn dokumentieren, einen Behandlungsplan erstellen und die Erreichung des jeweiligen Behandlungszieles überprüfen und ebenfalls dokumentieren. Wunschvorstellung vieler Therapeuten in diesem Zusammenhang wäre zukünftig eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen.

 

Nun ist der demografische Wandel in aller Munde. Dies bedeutet, dass es in naher Zukunft immer mehr pflegebedürftige Menschen und gleichzeitig immer weniger Pflegepersonal zur Versorgung dieser Menschen geben wird. Vor diesem Hintergrund stellt sich dann die Frage, wer dies leisten und vor allem auch bezahlen soll. Zur Zeit werden von vielen Pflegeeinrichtungen bereits Plüschroboter zur Befriedigung der Bedürfnisse nach Nähe und Zärtlichkeit zum Anschaffungspreis von 2.500 Euro eingesetzt. Dies grenzt für mein Empfinden an Herzlosigkeit.

 

Nach Delta Society sollen also gut ausgebildete Menschen diese Arbeit leisten. Hierzulande werden in vielen Bereichen ehrenamtlich Tätige gut ausgebildet und qualifiziert und leisten hochwertige Arbeit. Man denke hierbei beispielsweise an die Feuerwehr und den Rettungsdienst.

 

Wir versuchen nun in enger Zusammenarbeit mit dem DRK Landesverband Saarland, Bereich Sozialer Dienst, Menschen zu qualifizieren. Dem Hund ist es bei seiner Tätigkeit gleichgültig ob der Mensch im Team die Arbeit korrekt dokumentiert oder nicht. Für ihn ist das Tätigkeitsfeld bei tiergestützter Aktivität als auch Therapie gleich. Aus diesem Grunde unterscheiden wir bei der Ausbildung der Hunde nicht zwischen den verschiedenen Bereichen. Desweiteren sollte sich Jeder den Umgang mit einem Haustier leisten können und nicht aus Kostengründen Natur nur noch aus zweiter Hand erleben dürfen.

 

Bei all den Vorteilen für den besuchten Menschen liegt uns das Wohl des Tieres besonders am Herzen, die Beachtung aller tierschutzrechtlichen Vorschriften ist für uns selbstverständlich. Wir verstehen uns bereits während der Ausbildung als Anwalt des Hundes. Denn nur wenn sich das Therapiehundeteam sicher und wohl fühlt, kann auch der Funke auf die besuchten Menschen überspringen. Ein Vorteil für die ehrenamtliche Tätigkeit ist daher, dass das Team bei einer Unpässlichkeit von Mensch und/oder Hund den Besuch jederzeit auch vorzeitig beenden kann. Niemand kann sagen: eine Stunde wird bezahlt - eine Stunde wird geleistet. Dies ist häufig ein Problem professioneller Therapeuten. Aus meiner Erfahrung mit eigenen Besuchen kann ich die Wichtigkeit dessen immer nur betonen. Bei jedem Besuch treten Angehörige oder Personal an das Therapiehundeteam mit der Bitte, diesen oder jenen Bewohner auch noch zu besuchen heran. Zum Schutz des Hundes, und um Raum und Zeit genug für die besuchten Menschen zu haben, muss man solche Bitten gelegentlich - auch wenn es schwerfällt - ablehnen, oder im Idealfall auf ein anders Team verweisen.

 

Immer wieder hört man davon dass Häuser dazu übergehen, selbst Tiere zu halten. Dies ist nun beispielsweise bei Katzen oder Kaninchen relativ gut machbar. Allerdings stellt sich auch hier die Frage, wer ist für die Versorgung der Tiere auch an Sonn- und Feiertagen und der Urlaubszeit zuständig. Wer kümmert sich um die Ausbildung und adäquate Beschäftigung des Tieres (Hundeschule, Spaziergang).

 

Wer versorgt das Tier wenn es selbst krank und alt ist?

 

Auch hier ist das ehrenamtliche Therapiehundeteam die bessere Alternative.

Der Hund ist Eigentum seines Menschen und wird von diesem versorgt, ausgebildet und betreut.

Zu den jeweils besuchten Menschen kommt der Hund nur in bestem Gesundheitszustand unter Beachtung verschiedener Prophylaxen nach ausreichender Bewegung (ausgiebiger Spaziergang).

Um es einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: dies ist keine neue Art des Hundesports. Wer in erster Linie  seinen Hund beschäftigen möchte, sollte dies im Rahmen der Möglichkeiten der Hundesportvereine tun. 

Bei uns steht der Soziale Dienst am Menschen im Vordergrund.

 

Es ist auch nicht unser vorrangiges Ziel Therapiehundeteams auszubilden, vielmehr geht es uns um den Aufbau einer entsprechenden Gruppe, die diese Arbeit unentgeltlich, ehrenamtlich anbietet.

Auch die Ausbilder des Deutschen Roten Kreuzes selbst leisten ihre Arbeit ehrenamtlich.

 

Wir bitten daher um Verständnis, dass wir Therapeuten nur ausbilden, wenn auch sie diese Arbeit nicht zum Broterwerb sondern ehrenamtlich an mindestens 20 Besuchen im Jahr leisten.